OEKO-TEX Standard 100: Was bedeutet das Siegel?
Was das Siegel OEKO-TEX Standard 100 wirklich prüft, welche Produktklasse für Firmenkleidung gilt, was es nicht aussagt und wie Sie ein Label selbst kontrollieren.
Ratgeber5 Min. Lesezeit

Das Siegel OEKO-TEX Standard 100 steht auf T-Shirts, Bettwäsche und Arbeitskleidung. Doch was bedeutet es genau? Ist es ein Bio-Siegel? Gilt es für das ganze Kleidungsstück? Und woran erkennt man, ob es echt ist? Dieser Ratgeber erklärt, was der Standard prüft, welche Produktklasse für Firmen- und Teamkleidung zählt, wo seine Grenzen liegen und wie Sie ein Label selbst kontrollieren. Der Ratgeber stammt von Desa & Co, einem Bekleidungshersteller in Tirana, der für seine T-Shirts nach OEKO-TEX Standard 100 zertifizierte Baumwolle verwendet.
Die Antwort vorweg: OEKO-TEX Standard 100 bedeutet „geprüft auf Schadstoffe“. Jeder Bestandteil des Artikels, vom Stoff bis zum Knopf, wurde im Labor auf über 1.000 Schadstoffe getestet (OEKO-TEX). Über Bio-Anbau, Umweltschutz oder Arbeitsbedingungen sagt das Siegel nichts aus.
Kurz gesagt
Standard 100 ist ein Siegel für gesundheitliche Unbedenklichkeit, kein Öko- oder Bio-Siegel.
Geprüft wird jeder Bestandteil: Oberstoff, Nähgarn, Knöpfe und Reißverschlüsse.
Es gibt vier Produktklassen: Am strengsten sind die Grenzwerte für Babyartikel, danach für Textilien mit direktem Hautkontakt.
Ein Zertifikat gilt ein Jahr. Ob es gültig ist, prüfen Sie mit der Nummer im OEKO-TEX Label Check.
Was bedeutet OEKO-TEX Standard 100?
STANDARD 100 by OEKO-TEX® ist ein Label für Textilien, die auf Schadstoffe geprüft wurden. Laut OEKO-TEX werden alle Bestandteile eines Artikels gegen eine Liste von über 1.000 Schadstoffen getestet, also nicht nur der Oberstoff, sondern auch Nähgarne, Knöpfe und Reißverschlüsse. Die Grenzwerte und Prüfkriterien werden mindestens einmal im Jahr aktualisiert, und ein Zertifikat gilt jeweils ein Jahr; danach muss es erneuert werden.
Zur Zertifizierung gehören Laborprüfungen eingereichter Muster und ein Audit im Betrieb des Antragstellers (OEKO-TEX). Das System ist modular aufgebaut: Sind alle Bestandteile bereits nach Standard 100 zertifiziert, muss das fertige Produkt nicht noch einmal komplett geprüft werden. Dahinter steht die OEKO-TEX-Gemeinschaft, die im März 1992 vom Österreichischen Textil-Forschungsinstitut (ÖTI) und dem Forschungsinstitut Hohenstein gegründet wurde (Wikipedia).
Die vier Produktklassen
Wie streng geprüft wird, hängt davon ab, wie eng der Artikel mit der Haut in Berührung kommt. OEKO-TEX unterscheidet vier Produktklassen (OEKO-TEX):
Produktklasse | Wofür | Beispiele | Im Betrieb, zum Beispiel |
|---|---|---|---|
1 | Babys und Kleinkinder, strengste Grenzwerte | Windeln | Artikel für Babys und Kleinkinder, etwa in der Krippe |
2 | Direkter Hautkontakt | Unterwäsche, Bettwäsche | T-Shirts, Poloshirts, Kasacks |
3 | Kein direkter Hautkontakt | Jacken | Jacken, Westen, Überjacken |
4 | Ausstattungs- und Dekorationsartikel | Tischwäsche, Vorhänge | Tischdecken, Stoffservietten |
Für Kleidung, die den ganzen Tag auf der Haut getragen wird, ist also die Produktklasse 2 entscheidend, für Artikel für Babys und Kleinkinder die Klasse 1. Ein Zertifikat der Klasse 3 reicht für eine Jacke, aber nicht für das T-Shirt darunter. Klasse 2 gilt auch für Kasacks in der medizinischen Berufsbekleidung.

Kritik: Was das Siegel nicht bedeutet
Missverständlich ist vor allem der Name: Das „Öko“ lässt an Bio-Baumwolle, Umweltschutz oder faire Arbeit denken. Standard 100 ist aber ein reines Siegel für gesundheitliche Unbedenklichkeit und stellt keine Anforderungen an Produktionsbedingungen oder Umweltwirkung (Wikipedia). Außerdem heißt „geprüft“ nicht „schadstofffrei“: Das Siegel bestätigt, dass die Grenzwerte des Standards eingehalten werden. Für Umwelt und Arbeitsbedingungen gibt es andere Zertifikate, auch von OEKO-TEX selbst:
- MADE IN GREEN by OEKO-TEX: Textilien, die nach Standard 100 geprüft sind und in umwelt- und sozialverträglichen, nach STeP zertifizierten Betrieben hergestellt wurden; über eine Produkt-ID lässt sich die Lieferkette nachverfolgen (OEKO-TEX).
- STeP by OEKO-TEX: zertifiziert Produktionsstätten, nicht Produkte, unter anderem nach Chemikalieneinsatz, Umweltleistung, sozialer Verantwortung und Arbeitssicherheit (OEKO-TEX).
- Bio-Baumwolle: Dafür gibt es eigene Siegel. Standard 100 allein sagt nichts darüber, wie die Baumwolle angebaut wurde.
Wer also „nachhaltige Firmenkleidung“ ausschreibt, sollte genau angeben, welches Siegel gemeint ist. Standard 100 beantwortet die Frage „Ist der Stoff auf der Haut unbedenklich?“, nicht die Frage „Wurde er umweltfreundlich hergestellt?“.
So prüfen Sie ein OEKO-TEX-Label selbst
Jedes echte Label nennt eine Zertifikatsnummer; laut OEKO-TEX können Sie auch den QR-Code auf dem Label scannen. Mit der Nummer prüfen Sie im OEKO-TEX Label Check, ob das Zertifikat gültig ist. Achten Sie dabei auf drei Punkte:
- Gültigkeit: Ist das Zertifikat noch gültig? Es läuft nach einem Jahr ab, wenn es nicht erneuert wird.
- Geltungsbereich: Gilt es für den Stoff, das Garn oder das fertige Kleidungsstück?
- Produktklasse: Passt die Klasse zum Einsatz, also Klasse 2 für Shirts mit Hautkontakt und Klasse 1 für Artikel für Babys und Kleinkinder?
Bei Firmenkleidung lohnt sich die Frage an den Lieferanten, worauf sich das Zertifikat bezieht. Ist nur der Stoff zertifiziert, gilt das nicht automatisch für Nähgarn, Druck oder Stickerei des fertigen Shirts, denn Standard 100 prüft jeden Bestandteil.
OEKO-TEX bei Desa & Co
Unsere Baumwolle, die wir über Lieferanten in der Türkei beziehen, ist nach OEKO-TEX Standard 100 zertifiziert. Unsere T-Shirts mit Logo bestehen aus 100 % Baumwolle mit 160 bis 180 g/m². Wenn Sie für Poloshirts oder Arbeitskleidung bestimmte Nachweise brauchen, etwa für eine Ausschreibung, sprechen Sie uns an. Unabhängig davon ist unsere Produktion nach ISO 9001, ISO 14001 und ISO 45001 zertifiziert: Das sind Managementsysteme für Qualität, Umwelt und Arbeitsschutz, kein Produktsiegel wie OEKO-TEX.
Die Mindestmenge liegt bei 100 bis 150 Stück pro Artikel, die Produktion der Mindestmenge dauert 2 Wochen ab Freigabe des Designs. Wir liefern nach Italien, ins Vereinigte Königreich und innerhalb Albaniens; zur Lieferung nach Deutschland sprechen Sie uns an. Mehr zu den Stoffen für Polos lesen Sie in unserem Ratgeber Piqué-Stoff. Fragen Sie Ihr Angebot an und nennen Sie dabei, welches Siegel Sie brauchen.
Häufige Fragen
Ist OEKO-TEX ein Bio-Siegel?
Nein. Standard 100 bedeutet „geprüft auf Schadstoffe“. Über Bio-Anbau, Umwelt oder Arbeitsbedingungen sagt es nichts; dafür gibt es andere Zertifikate wie MADE IN GREEN oder STeP.
Was wird an OEKO-TEX Standard 100 kritisiert?
Vor allem der Name: Er klingt nach Öko, doch das Siegel prüft nur auf Schadstoffe und stellt keine Anforderungen an Umwelt oder Arbeitsbedingungen (Wikipedia). Dafür gibt es MADE IN GREEN und STeP.
Wie lange ist ein OEKO-TEX-Zertifikat gültig?
Ein Jahr. Danach muss es erneuert werden. Ob ein Zertifikat aktuell gültig ist, zeigt der OEKO-TEX Label Check mit der Nummer auf dem Label.
Was bedeutet Produktklasse 1?
Produktklasse 1 gilt für Artikel für Babys und Kleinkinder und hat die strengsten Grenzwerte. Für Erwachsenenkleidung mit Hautkontakt ist Klasse 2 maßgeblich.
Woran erkenne ich ein echtes OEKO-TEX-Label?
An der Zertifikatsnummer auf dem Label. Geben Sie sie im OEKO-TEX Label Check ein: Dort sehen Sie, ob das Zertifikat gültig ist.
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